Hospizdienst Leonberg

Aus dem Hospiztagebuch einer Ehrenamtlichen. Ein Tag im Stationären Hospiz Leonberg e.V. – Besuch im Haus zwischen den Welten

Es ist morgens um 10, die Sonne scheint, als ich das Leonberger Hospiz in der Seestraße betrete, das erste Mal.

Ein bisschen unruhig bin ich wie immer, wenn ich nicht weiß, was mich wirklich erwartet und diesmal ist es sowieso anders als je zuvor: ich gehe in ein Haus, in dem Menschen sterben. Doch eins weiß ich, ich will mich heute darauf einlassen, ich will wissen, wie die Menschen hier leben in der Gewissheit ihres nahenden Todes.

Mir fällt zuerst auf, dass nicht nur die Eingangstür des Hauses offen steht, sondern alle Türen. Ich höre Lachen, Geschirrklappern aus der Küche, einen Staubsauger aus einem der Patientenzimmer und sehe eine Mitarbeiterin mit einem riesigen Strauß frischer Astern im Arm.

Sieben Einzelzimmer hat das Hospiz. Ich überzeuge mich später davon, wie freundlich und hell sie eingerichtet sind, nach den Wünschen der Patienten auch mit eigenen Möbeln, Pflanzen, Bildern, Erinnerungsstücken. Für die Angehörigen steht das Haus jederzeit offen, ebenso die Küche und das Wohnzimmer. Ich erlebe die Mitarbeiterinnen hoch motiviert. Jeder, auch die Patienten, wissen worum es geht. Hier herrscht Klarheit, denke ich bei mir. Keine Lügen, kein Drumherum. Das klingt sehr sachlich, dahinter aber steckt mehr: Eine qualifizierte Schmerztherapie mit liebevoller Zuwendung wird von Fachleuten, Ehrenamtlichen, Angehörigen, Ärzten und Theologen geleistet. Ohne die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wäre das alles nicht zu schaffen. Ich lerne zwei Frauen kennen, die regelmäßig von Zimmer zu Zimmer gehen und die Patienten nach ihren Einkaufswünschen befragen. Sie und all die anderen an ihrem Platz machen alles möglich, damit sich alle im Haus wohl fühlen“, erfahre ich von der Leitung des Hauses. Mich bittet eine Krankenschwester, ihr zu helfen. Herr D. muss anders gelagert werden. Sie spricht mit ihm ruhig und freundlich und weiß doch, dass sie ihn nicht mehr erreicht. Seine Frau will gerade gehen und sagt noch mit einem Lächeln zu uns: „Ich habe seine Hand berührt und er hat mich gespürt. Das habe ich genau gemerkt.“ In ein paar Stunden wird sie wieder da sein. Ich werde ruhig und beginne auch, mit Herrn D. zu sprechen. Wir lagern ihn etwas anders, damit er sich wohl fühlt.

Dann helfe ich, den Strauß Astern zu schneiden, in Vasen zu stecken und im Haus zu verteilen. Alles sieht freundlich aus. Eine Katze schleicht durchs Haus, über den Flur, durch die Zimmer. Ich  erfahre, dass das Aura ist, die Hauskatze seit vier Jahren. Sie macht allen Freude, egal wo sie herumschleicht.


Im Flur auf einem Schränkchen steht eine Kerze, daneben liegt ein Buch. „Wenn die Kerze brennt, dann heißt es, von einem Patienten Abschied zu nehmen“, erklärt mir Krankenschwester Anita Ezel. In das Buch werden der Name und das Sterbedatum eingetragen. Was passiert mit dem Verstorbenen, frage ich. „Er wird in seinem Zimmer für einen Tag aufgebahrt, damit  Angehörige und wir in Ruhe Abschied nehmen können.“ Inzwischen ist Mittagszeit. Der Tisch im Gemeinschaftsraum wird liebevoll gedeckt. Heute aber sind die Mitarbeiterinnen und ich die einzigen, die gemeinsam essen. Keiner der Patienten kann heute am Tisch sitzen. Sie werden in ihren Zimmern versorgt. Die Wünsche nach Essens- oder Schlafenszeit sind unterschiedlich, aber jeder wird erfüllt.

Die Frühschicht geht für die junge Krankenschwester Anita Ezel langsam zu Ende. Sie bereitet sich auf die Dienstübergabe vor. Über jeden einzelnen Patienten wird ausführlich gesprochen, über seine körperliche Verfassung und seinen seelischen Zustand. Ich bin beeindruckt davon, wie die Frauen so selbstverständlich über Sterben und Tod sprechen. Für sie ist beides längst Teil ihres Lebens. Manche von ihnen haben früher in Krankenhäusern gearbeitet. Sie haben immer wieder erlebt, wie Menschen mit Medizin oder Geräten am Leben erhalten wurden, ohne dass überhaupt ein Wort fiel, ohne dass der Patient zur Ruhe kam. Sie wollten dort helfen, wo Menschen würdevoll ihr Leben beenden können und haben sich für die Hospizarbeit entschieden.

Jeder weiß hier, was er zu tun hat, jeder nimmt sich Zeit für den Patienten, setzt sich ans Bett, hört zu, redet, hält die Hand oder hält einfach nur aus. Die Mitarbeiter sind auch füreinander da in schlechten Tagen. Jeder Abschied bedeutet auch für sie Trauer und Schmerz.

Jetzt finde auch ich bestätigt, was ich gelesen hatte: Das Hospiz Leonberg e.V. hat einen guten Ruf. Es ist das einzige im Kreis Böblingen. Angehörige von Verstorbenen kommen manchmal immer noch vorbei. Viele haben sich verewigt im Gästebuch, sich bedankt für die Fürsorge. Ich blättere ein wenig im Gästebuch und stoße auf einen Gedanken, der für mich geschrieben scheint an diesem Tag:

„Es gibt Momente im Leben, da steht die Erde für einen Augenblick still, und wenn sie sich dann weiter dreht, ist nichts mehr, wie es war.“

 
Stationäres Hospiz

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Ehrenamt

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Vortragstätigkeit

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Beratungsstelle für Krebskranke

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